3 Wochen. 3 Wochenenden. Die Überschrift sagt das Wesentliche.
Ich muss zugeben, dass ich im Moment etwas schreibfaul bin, hoffe aber, dass ich trotzdem ne angemessene Länge zustande bringe! So richtig viel ist in den letzten Wochen auch gar nicht passiert. Aber ich fang mal wieder mit der Klinik an.
Vor 3 Wochen habe ich in der MAVA angefangen. Habe ja beim letzten Mal schon erklärt, was das genau ist. Im Grunde war es ganz interessant, aber leider nur am Vormittag. Morgens haben wir uns unsere Patienten am Computer angeguckt: Laborwerte, Medikation, irgendwelche Maßnahmen. Dann immer in unterschiedlicher Reihenfolge mit den Schwestern über Änderungen gesprochen, weitere Vorgehensweise mit dem Oberarzt abgestimmt und die Visitenrunde gedreht (mit oder ohne Oberarzt, je nach Person unterschiedlich) . Nachmittags haben dann die Ärzte den Kram vom Vormittag diktiert, Arztbriefe geschrieben, Entlassungsbriefe fertig gemacht, etc. Da die MAVA keine Praxis angeschlossen hat, gabs also dann nicht viel für mich zu tun und so bin ich meistens auch schon zum Mittagessen gegangen.
Aus eigenem Interesse habe ich am vorletzten Tag dann mal gefragt, ob ich vielleicht auch mal einen Tag auf der richtigen Notaufnahme vorbeischauen könnte. Die Antwort war dann etwas ernüchternd: “Natürlich, eigentlich gehen da alle Studenten von der MAVA mindestens eine Woche hin”, da ich aber sowas wie nen Stundenplan für die einzelnen Placements nie gesehen habe, konnte ich das ja nicht riechen. Sehr sehr ärgerlich, denn der letzte Tag auf der Notaufnahme war super! Gleich die erste Patientin (morphinabhängig) hat sich nach ner klaren Ansage, dass es jetzt erstmal kein neues Rezept für Morphium gibt, auf der Toilette mit ner Glasscherbe beide Unterarme aufgeritzt. Ist nicht viel passiert, zumal sie selbst den Alarm betätigt hat. Aber spektakulär allemal.
Seit gestern bin ich jetzt auf meiner letzten Station in Schweden angekommen: 4 Wochen lang Nephrologie (=Niere). Zusammen mit mir hat noch ein schwedischer Student angefangen, der seit 7 Jahren in Schweden lebt und das komplette Studium hier macht. Eigentlich kommt er aus Kansas, USA (die Get Up Kids kannte er aber wohl trotzdem nicht. Der Banause.), somit ist die Kommunikation mit ihm schon mal gar kein Problem.
Aus mittlerweile nicht mehr nachvollziehbaren Gründen habe ich aber am Anfang zu den Ärzten gesagt, dass es ok ist, das ganze in Schwedisch zu versuchen. Als Dank gabs vom Oberarzt dann direkt schnellstes Stockholmer Schwedisch und ich hab kaum was verstanden. Meine Bitten langsamer zu sprechen hielten dann immer so 10 Minuten und irgendwann war es mir auch zu blöd… das war gestern. Heute war ich mit jemand anderem unterwegs und es war deutlich besser. Für nen Fazit isses aber wieder mal zu früh… später dann!
So dann jetzt zu den Wochenenden
Am ersten hatte Saara (Finnin, studiert auch Medizin) eine Freundin aus Helsinki zu Besuch und zu dem Anlass ein Internationales Dinner organisiert. Mehrere Freunde waren eingeladen und sollten jeweils etwas landestypisches beisteuern. Ich habe mich mit 3 anderen Deutschen zusammengeschlossen und wir haben Kartoffelsalat, Milchreis und selbst gemachte Laugenbrezel zubereitet. Der Milchreis war sehr lecker, aber der absolute Knaller waren unsere Laugenbrezel und dementsprechend auch sofort vergriffen. Wenn ich jetzt dran denke, kriege ich schon wieder Hunger
Aber auch alle anderen Spezialitäten waren umwerfend gut und es blieb sogar soviel über, dass jeder noch Tupperdosen befüllen konnte: 2 Tage kein kochen für mich… ![]()
Nach dem Dinner gings dann wieder mal nach Flamman in die Disco. Mangels Alternativen in diesem Städtchen hier. War wie immer. Lustig irgendwie, aber leider wird das mit der Dauer einfach echt langweilig da. Vielleicht lags auch daran, dass ich ausnahmsweise nicht viel getrunken habe, weil ich mich nach all den schlimmen Wochenenden mal erholen wollte.
Am zweiten Wochenende kam Jenny noch mal zu Besuch! Dieses mal wegen der Finanzen einfach hier nach Linköping. Aber auch, um neben den Franzosen, die wir schon letztes mal in Stockholm getroffen haben, meine anderen Freunde kennenzulernen. Passenderweise und trotz vorheriger Ankündigung haben sich aber an dem Wochenende alle relevanten Leute aus dem Staub gemacht, so dass wir außer Steffi (Marburg) und Niki (München) niemanden treffen konnten. Wochenende war trotzdem super. Wir waren wieder beim Eishockey (6:2 Sieg), in ner großen Mall im Einkaufsgebiet, haben riesengroße Pizzen vom Bringdienst verdrückt und uns einen der schlechtesten Filme aller Zeiten im Kino angeguckt (”trubble i paradiset” auf Schwedisch, “couples reatreat” auf Englisch, “All Inclusive” auf Deutsch). Gutes Wochenende!
Letztes Wochenende standen 3 Partys an, von denen ich aber nur 2 geschafft habe. Wahrscheinlich haben mir die 2 Wochen (mehr oder weniger) Abstinenz eher geschadet ![]()
Donnerstag haben die beiden Berliner Mediziner ein Thanksgiving-Dinner veranstaltet, eine Woche zu früh, die Gründe dafür habe ich nicht so richtig verstanden, waren mir aber auch nicht so wichtig. Auf jeden Fall war es so richtig amerikanisch, schon alleine dadurch, dass die Hälfte der 9 Gäste Amis waren. Ohne den Gastgebern zu nahe zu treten, waren die beiden Highlights jeweils von den Amerikanern zubereitet: Grüne Bohnen mit Mandeln (!!) und der Pumpkin-Pie (Kürbis-Kuchen) zum Dessert! Wow! ![]()
Pünktlich zum Ende gegen viertel vor 10 bin ich dann zu ein paar anderen Freunden gestoßen und wir sind zusammen (aus Ermangelung von Alternativen) ins Platå gegangen. Club scheiße wie immer. Musik noch beschissener. Und leider auch die Stimmung nicht so klasse. Gegen 1 gegangen.
Freitag dann auch wieder nichts spektakuläres. Zumindest jetzt nicht mehr, weil es einfach jedes Wochenende stattfindet und das auch nur, weil es keine Alternativen gibt: Erst Korridorparty, dann Flamman. Gähn!! War trotz allem aber lustig, was daran liegen könnte, dass ich im Gegensatz zum Besuch vor 2 Wochen, etwas mehr getrunken habe. Traurig aber wahr…
Samstag hätte das einzig interessante angestanden, ich war aber Katertechnisch zu nichts zu gebrauchen. In Flamman (wo auch sonst) fand das “Indie Allsång” statt. Ein großes sing-along! Eine Band spielt auf der Bühne bekannte Indie-Songs auf englisch und schwedisch und alle Besucher singen mit. Hätte lustig sein können, ich war nicht da.
Wer hätte gedacht, dass ich Marburg mal für sein Nachtleben beneiden würde. Hier in Linköping gibt es leider für jeden Abend nur einen “Club”, in den man gehen kann. Allein schon für die Auswahl könnte man Marburg beneiden, wenn das noch nicht reicht: Innerhalb von einer Stunde kann man in Kassel oder Frankfurt sein – davon kann man hier nur träumen…
Aber was solls – wahrscheinlich ist das hier echt nur Jammern auf hohem Niveau. Am Anfang wäre mir im Traum nicht eingefallen, dass ich mich über Korridorpartys beschweren würde, aber irgendwie wird halt alles mal Alltag und langweilig, wenn man es nur oft genug macht.
Das es hier allmählich aufs Ende zu geht merkt man mittlerweile fast täglich. Ob es Infos sind, wie ich mein Zimmer zu hinterlassen habe, oder die Bestätigung, dass mein Internetaccount zum 20.12. gekündigt wurde – alles zeigt deutlich, dass ich bald nach hause komme.
Erwähnenswert ist auch, dass wir mittlerweile bei nur noch ca. 7 Stunden Tageslicht angekommen sind. Zusammen mit dem fast durchweg grauen Himmel wirkt das herrlich auf die Stimmung. Und es wird täglich schlimmer. Heute war da eine Ausnahme, Sonne und erträgliche 8 Grad. Habe das zum Anlass genommen, früher aus dem Krankenhaus abzuhauen und eine Runde durch den Wald zu joggen – man muss ja nehmen, was man kriegen kann.
Leider habe ich nicht so viele Fotos gemacht in den letzten Wochen, wie man auch an diesem Beitrag sieht. Nächstes mal gibts dafür hoffentlich richtig schöne von den “Novemberlights” hier in Linköping. Seit einer Woche gibt es nämlich in der ganzen Innenstadt verteilt zum Teil überwältigende Licht-Illuminationen. Werde da demnächst mal mit der Kamera durchlaufen



































